Gesundheitsthemen

Geschichte der Empfängnisverhütung

Die Geschichte der Empfängnisverhütung ist lang und abenteuerlich: Schon immer wollten Menschen, dass ihre sexuellen Begegnungen ohne Folgen blieben. Im alten Ägypten etwa schmierten sich Frauen einen Granatapfelextrakt in die Scheide, um nicht schwanger zu werden. Moderne Analysen zeigen: Die Körner des Granatapfels enthalten Östrogene. Im Mittelalter empfahl man der Frau nach dem Geschlechtsverkehr siebenmal zu niesen und sich mit angezogenen Knien hinzusetzen. Männer sollten den Penis mit Bleiweiß und Zedernöl einreiben. Casanova benutzte Kondome aus Schafsdarm und Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts komplizierte Apparate zur Scheidenspülung. Anfang der 1960er Jahre kam die „Pille" auf den Markt, das bis heute weltweit am häufigsten benutzte Verhütungsmittel.

Informationen zur Beliebtheit und Zuverlässigkeit moderner Verhütungsmethoden finden Sie im Artikel Pearl-Index.

Weiterführende Informationen

  • www.familienplanung.de – Internetseite der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln): Mit Informationen und hilfreichen Tipps einschließlich persönlicher Beratungsmöglichkeit zu Verhütung, Schwangerschaft, unerfülltem Kinderwunsch und der generellen Kinderfrage.
  • www.sexualaufklaerung.de – Ebenfalls von der BZgA betriebene Internetseite, die zahlreiche kostenlose Downloads zum Thema bietet.
  • www.zyklus-wissen.de – Dr. med. Raith-Paula, Puchheim. Zeigt auf Basis medizinischer Studienergebnisse die natürliche Bandbreite von "normalen" Zyklen auf.
  • P. Frank et al.: Natürlich und sicher. Trias, 2005. Ausführliche Darstellung der natürlichen Verhütungsmethoden und Schwangerschaftsplanung einschließlich der dazugehörigen Zykluscomputer. Mit Übungsbeispielen und umfassendem Quellenverzeichnis. Ein hilfreiches Nachschlagewerk.
  • B. Sesterhenn: Natürlich verhüten? Aber sicher! Gräfe & Unzer, 2002. Knappe und verständliche Darstellung der natürlichen Verhütungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen. Mit zahlreichen Abbildungen und einem Vergleichstest der Verhütungscomputer. Gute Entscheidungshilfe für alle, die nach Alternativen zur „Pille" und Spirale suchen.
  • G. Staupe; L. Vieth (Hrsg.): Die Pille. Von der Lust und von der Liebe. Ausstellungskatalog des Deutschen Hygiene-Museums Dresden. Rowohlt, 1996. Weniger medizinischer Ratgeber als kultur-geschichtlicher Sammelband zur Verhütung und dem Aufstieg der „Pille". Mit vielen Bildern ein interessanter und unterhaltsamer Rückblick in die 1960er Jahre und die Verhütungsmittel des 19. und 20. Jahrhunderts.

Von: Dr. med. Arne Schäffler, Dr. med. Andrea Stadler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).

Jugend ohne Sex

Zu jung oder zu moralisch?

Ob im Internet, sozialen Medien oder im Fernsehen — überall wimmelt es nur so von Sex. Doch in Deutschland werden Teenager immer später sexuell aktiv. Woran liegt´s?

Erster Sex lässt warten

Regelmäßig wird die Jugend von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu ihren sexuellen Gewohnheiten befragt. Auch im Herbst 2019 gaben über 6000 Jugendliche und junge Erwachsene freimütig Auskunft. 1874 der Befragten hatten einen Migrationshintergrund, d.h. sie besaßen keine deutsche Staatsangehörigkeit oder einer ihrer beiden Eltern war nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren worden.

Überraschenderweise stellte sich heraus, dass sich die Sexualisierung unserer Gesellschaft nicht im Verhalten der deutschen Jugend widerspiegelt. Im Gegenteil: „Im Alter zwischen 14 und 16 Jahren geben deutlich weniger Mädchen und Jungen an, sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben als noch vor zehn Jahren,“ berichtet Heidrun Thaiss von der BZgA.

Vor allem beim Einstieg ins Sexleben zeigt sich die neue Zurückhaltung: Während 2001 noch 11 % der Mädchen und 8 % der Jungs mit 14 den ersten Geschlechtsverkehr hatten, sind es im Jahr 2019 nur noch 4 bzw. 3 %.

Mit Migrationshintergrund noch zurückhaltender

Von den befragten 17-Jährigen hatten etwa 2/3 Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr — diese Rate ist seit Jahren gleich. Unterschiede zeigen sich allerdings, wenn man die Herkunft der Jugendlichen berücksichtigt: Während 69% der jungen Frauen deutscher Herkunft mit 17 schon mindestens einmal Sex hatten, waren dies bei den 17-Jährigen mit Migrationshintergrund nur 37%. Ähnlich sieht es bei den Jungen aus (64% vs. 59%).

Viele halten sich für zu jung für Sex

Gründe für die sexuelle Zurückhaltung gibt es viele. Am häufigsten wird das Fehlen des richtigen Partners angegeben, oft spielt auch Schüchternheit eine Rolle. Auffällig ist jedoch, dass sich 48% der Mädchen und 33% der Jungen für zu jung für sexuelle Kontakte halten. 2014 sah das noch anders aus, damals hielten sich nur 35% der Mädchen und 27% der Jungen für zu jung für Sex.

Im Vergleich zu 2014 finden es auch mehr Jugendliche „unmoralisch“, Verkehr zu haben (13% vs 7% der Mädchen und 8 vs 3 % der Jungen). Die Moral spielt vor allem bei Teenagern mit Migrationshintergrund eine große Rolle, ebenso wie die Angst vor den Eltern und die generelle Ablehnung von Sex vor der Ehe.

Die Forscher*innen fragten auch nach den Verhütungspraktiken.Beim „ersten Mal“ verhüten die meisten Jugendlichen mit Kondom, die Benutzung der Pille ist rückläufig. Das liegt vermutlich daran, dass die Verträglichkeit der Pille heute kritischer gesehen wird als früher.

Die Zahl der „Nicht-Verhüter*innen“ beim ersten Geschlechtsverkehr ist mit 9% etwas höher als 2014 (7%). Immerhin: Mit zunehmender Erfahrung verbessert sich das Verhütungsverhalten. Auf die Frage nach dem „letzten Geschlechtsverkehr“ gaben nur noch 5% an, keine empfängnisverhütenden Mittel benutzt zu haben.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

17.12.2020 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: Anatoliy Cherkas/Shutterstock.com