Gesundheitsthemen

Implanon®

Implanon® (Verhütungsstäbchen, Hormon-, Verhütungsimplantat) ist ein in Deutschland seit 2000 zugelassenes, unter die Haut implantierbares Kunststoffstäbchen mit kontinuierlicher Hormonabgabe in den Körper. 2010 kam der Implanon-Nachfolger Implanon NXT® auf den deutschen Markt. Der 4 cm lange und 2 mm breite Kunststoffkörper wird an der Innenseite des weniger beanspruchten Oberarms unter die Haut implantiert. Er enthält das reine Gestagenpräparat Etonogestrel und ist in der Verhütungsweise der Minipille vergleichbar. Alle drei Jahre muss das Implantat ausgewechselt werden. Obwohl bequem in der Anwendung, kann Implanon® aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht empfohlen werden.

Durchführung. Das Einsetzen des Stäbchens erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung zwischen dem ersten und fünften Zyklustag. Mit einer Einführhülse wird das Stäbchen direkt unter die Haut an der Innenseite des Oberarms eingesetzt (implantiert). Um Infektionen und Blutergüsse zu vermeiden, legt man anschließend einen Druckverbund an. Der Verhütungsschutz wirkt sofort. Spätestens nach drei Jahren muss das Stäbchen mit einem kleinen Schnitt von 2–3 mm entfernt werden; eine Entfernung bei Unverträglichkeit ist aber jederzeit möglich. Es wird dringend empfohlen, dass nur Ärzte Implanon NXT® einlegen und entfernen, die ein Training zur Anwendung des Implanon NXT® Applikators und den Techniken der Einlage und der Entfernung des Implantats absolviert haben. Das Implantat sollte von Anwenderin und Arzt gut zu ertasten sein.

Wirkung. Nach der Implantation werden täglich kleine Gestagenmengen ins Blut abgegeben. Die Wirkungsweise entspricht der der Minipille, die dem Körper ebenfalls kontinuierlich Gestagen zuführt. Sicherheit und Wirksamkeit sind für Frauen zwischen 18 und 40 Jahren belegt. Bei Übergewicht sollte das Implantat unter Umständen früher ersetzt werden.

Nebenwirkungen. Über 50 % der Frauen beklagen eine Verstärkung der Menstruationsbeschwerden, bei 20 % der Anwenderinnen kommt es zum kompletten Ausbleiben der Periode. Aber auch unregelmäßige oder verlängerte Blutungen treten auf. Ferner kann es zu Akne, Brustspannen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Haarausfall und Kopfschmerzen kommen.

Bei der Einlage und der Entfernung von Implanon NXT® sind vorübergehende Schmerzen, Schwellungen, Blutergüsse und Juckreiz an der betroffenen Körperstelle möglich – in selten Fällen eine Infektion, eine Narbe, ein Abszess oder lokale Taubheitsgefühle. Das Implantat kann in Einzelfällen ausgestoßen werden.

Bei falscher Einlage kann der Empfängnisschutz nicht gewährleistet werden. Durch starke Krafteinwirkung oder falsche Einlage sind Wanderungen des Implantats in Gefäße oder den Brustkorb möglich. Jedes nicht im Arm tastbare Implantat sollte mithilfe bildgebender Verfahren lokalisiert und ggf. chirurgisch entfernt werden. Bricht oder verbiegt sich das Implantat, sind keine Funktionseinschränkungen des Implantats zu erwarten.

Sicherheit. Studien ergaben einen Pearl-Index von unter 0,1.

Für Frauen unter 20 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten, ab 18 muss allerdings eine Zuzahlung geleistet werden.

Weiterlesen: andere hormonelle Verhütungsmethoden

Von: Dr. med. Andrea Stadler, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014).

Was macht die Pille für den Mann?

Empfängnisverhütung

Bei der Empfängnisverhütung sind auch die Männer gefragt. Doch Kondome mag nicht jeder, und auch die Durchtrennung der Samenleiter ist nicht Jedermanns Sache. Da liegt der Gedanke an eine Pille für den Mann nicht fern. Doch wie weit ist die Forschung tatsächlich?

Depression und Gewalt gegen Frauen

Immer wieder wurde in den vergangenen Jahrzehnten die Erfolgsmeldung lanciert, die „Pille für den Mann“ sei kurz vor dem Durchbruch. Doch leider sieht es nicht danach aus, berichtet der Androloge und Reproduktionsmediziner Michael Zitzmann. Die hormonelle Verhütung durch den Mann ist zwar weiterhin Gegenstand intensiver Forschung. Eine Prognose, wann es soweit ist, mag der Androloge jedoch nicht abgeben.

In den bisherigen Studien wurden die empfängnisverhütenden Hormone vor allem über regelmäßige intramuskuläre Spritzen verabreicht. Bei einer weltweit durchgeführten WHO-Studie kombinierten die Forscher langwirksames Testosteron mit dem Gestagen Norethisteron und spritzten es alle 8 Wochen. Etwa 10% der Männer entwickelten allerdings so schwere Nebenwirkungen, dass die Studie abgebrochen wurde. Dazu zählten schwere Depressionen, eine gesteigerte Libido und eine erhöhte Gewaltbereitschaft gegen Frauen.

Einmal täglich schmieren?

Hoffnung auf ein „einfache“ hormonelle Verhütung für den Mann macht ein anderer Kandidat. Dabei handelt es sich um ein Gel aus Testosteron und dem Gestagen Nestoron, das täglich aufgetragen wird. Bisher haben sich in klinischen Studien keine schweren Nebenwirkungen gezeigt. Andere Forscher*innen arbeiten an oralen Androgen-ähnlichen Substanzen, die zusätzlich an Gestagen-Rezeptoren binden. Dritte Variante ist ein Wirkstoff, der die Ausschüttung von LH und FSH aus der Hypophyse unterdrückt und dadurch die Spermienproduktion reduziert.

Press-Unterhose und Samenleiter-Ventil

Geforscht wird auch an nichthormonellen Methoden. In Frankreich gibt es einen Slip, mit dem die Hoden in den Leistenkanal gedrückt und dadurch so stark aufgeheizt werden, dass sie ihre Produktion einstellen. In der Schweiz wurde ein Ventil für den Samenleiter entwickelt, das mit der Hand verschlossen und geöffnet werden kann. In Indien will man den Samenleiter mit einem Kunststoffgel verstopfen und in Australien arbeiten Forscher*innen fieberhaft an einem Wirkstoff, der den Spermientransport bei der Ejakulation verhindert. Alles interessante Ansätze, meint Zitzmann, aber alle noch nicht klinisch geprüft und von einem allgemeinen Einsatz weit entfernt.

Quelle: Ärztezeitung

14.10.2020 | Von: Dr. med. Sonja Kempinski; Bild: wavebreakmedia/Shutterstock.com