Gesundheitsthemen

Sterilisation bei Mann und Frau

Sterilisation (Sterilisierung, Irreversible Kontrazeption): Durch einen medizinischen Eingriff erzeugte Unfruchtbarkeit, die nicht oder nur durch einen weiteren Eingriff rückgängig zu machen ist.

Für eine Sterilisation muss bei Verheirateten eine von beiden Partnern unterschriebene schriftliche Einverständniserklärung abgegeben werden. Naturgemäß empfiehlt sich die Methode nur für Frauen oder Männer, die fest entschlossen sind, keine Kinder (mehr) zu bekommen. Empfohlen wird, vor dem Eingriff eine Beratungsstelle aufzusuchen und zwischen Beratung und Eingriff einige Zeit verstreichen zu lassen.

Methodisch zu unterscheiden ist die Sterilisation der Frau und die Sterilisation des Mannes (siehe unten)

Nicht zu verwechseln mit der Sterilisation ist die Kastration, womit die operative Entfernung sowie medikamentöse oder per Bestrahlung erzielte Zerstörung der Hoden oder Eierstöcke gemeint ist. Nur bei der Kastration, die vor allem bei hormonabhängigen Krebsarten zum Einsatz kommt (Hormonentzugstherapie), geht die Produktion der Sexualhormone Östrogen, Progesteron bzw. Testosteron verloren, bei der Sterilisation hingegen bleibt sie erhalten, ebenso wie die sexuelle Erlebnis- und Orgasmusfähigkeit.

Sterilisation des Mannes

(Vasektomie)

Durchtrennung der Samenleiter, um den Spermientransport von den Hoden in die Harnröhre zu verhindern. In der Regel erfolgt der Eingriff in der Praxis eines Urologen oder Chirurgen unter örtlicher Betäubung.

Durchführung. Um die Samenleiter zu durchtrennen, macht der Arzt seitlich an den Hodensäcken 1–2 kleine Schnitte und legt die direkt unter der Haut liegenden Samenleiter frei. Danach durchtrennt er sie und schneidet zur Sicherheit noch ein Stück heraus; die Öffnungen werden abgebunden, vernäht oder verschweißt. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten; danach sollte sich der Mann einige Tage schonen. Nach einer Woche ist Geschlechtsverkehr wieder möglich – da der Mann jedoch noch bis zu drei Monate nach der Sterilisation zeugungsfähig ist, sollte vorerst weiterhin verhütet werden. Um den Erfolg der Operation sicherzustellen und zu prüfen, ob das Ejakulat noch Restmengen befruchtungsfähiger Spermien enthält, wird 6–8 Wochen nach dem Eingriff eine Spermienprobe vom Urologen mikroskopisch untersucht. Wenn zwei Spermienproben hintereinander ergeben, dass das Ejakulat keine Spermien mehr enthält, sind andere Verhütungsmethoden nicht mehr notwendig.

Nach der Sterilisation ändert sich die Menge des Ejakulats übrigens kaum, da es im Wesentlichen in der Prostata (Vorsteherdrüse) und der Bläschendrüse produziert wird; die Spermien entstehen in den Hoden und machen nur einen geringen Anteil des gesamten Ergusses aus.

Nebenwirkungen. Kleine Komplikationen wie Blutergüsse, Infektionen oder Nebenhodenentzündungen kommen in etwa 5 % der Fälle vor, sind aber beherrschbar.

Sicherheit. Mit einem Pearl-Index von < 0,2 eine der sichersten und zugleich „bequemsten" Verhütungsmethoden überhaupt. In ganz seltenen Fällen wachsen die Samenleiter wieder zusammen, deswegen sollte man nach einem Jahr nochmals eine Spermienprobe untersuchen lassen.

Nur bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt die Kasse die Kosten.

Um sich die erheblichen Mühen einer zudem oft erfolglosen Refertilisation zu ersparen, wird Männern vor einer Sterilisation meist die Kryokonservierung angeboten. Sperma wird dabei in flüssigem Stickstoff eingefroren. Auf dieses Sperma kann im Falle eines späteren Kinderwunschs beliebig lange zurückgegriffen werden. Die Lagerungskosten müssen allerdings selbst getragen werden.

Sterilisation der Frau

(Tubenligatur, Tubensterilisation)

Durchtrennen der Eileiter unter Vollnarkose, wodurch ein Zusammentreffen von Eizelle und Spermien verhindert wird. Da der Eingriff eine echte Operation darstellt, sind Komplikationen viel häufiger als bei der Sterilisation des Mannes.

Neben dem Verhütungsaspekt wird die Sterilisation Frauen (ab 30) aus medizinischen Gründen empfohlen, wenn eine Schwangerschaft die Frau gesundheitlich schwer gefährden würde, so z. B. nach einer Wochenbettpsychose, nach schwierig verlaufenen Operationen an der Gebärmutter oder bei fortgeschrittenem Diabetes.

Durchführung. Die Sterilisation wird zunehmend ambulant durchgeführt, es ist jedoch auch ein Krankenhausaufenthalt von 1–2 Tagen möglich. Um eine Schwangerschaft auszuschließen, erfolgt der Eingriff während der ersten Zyklushälfte.

Die zurzeit gebräuchlichste Methode ist die Sterilisation im Rahmen einer Bauchspiegelung unter Vollnarkose. Über einen kleinen Schnitt im Bauchnabel werden die Eileiter mit einer Zange entweder elektrisch verklebt (Thermokoagulation), durchtrennt oder durch Kunststoffclips zusammengepresst und somit undurchgängig gemacht (Clip-Sterilisation). Nach der Operation sollte sich die Frau einige Tage lang schonen, Verhütungsschutz besteht aber ab sofort.

In seltenen Fällen kann eine Sterilisation nicht laparoskopisch durchgeführt werden, z. B. bei starken Verwachsungen im Bauchraum oder starkem Übergewicht. Ist sie dennoch erwünscht oder notwendig, erfolgt der Eingriff durch einen kleinen Bauchschnitt (Mini-Laparotomie). Dieser Eingriff erfordert einen Krankenhausaufenthalt von 3–4 Tagen.

Die Durchtrennung der Eileiter verhindert, dass Spermien und Eizellen im Eileiter aufeinander treffen und sich vereinigen. Wie zuvor macht sich die Eizelle vom Eierstock zwar auf den Weg zur Gebärmutter, kommt jedoch nur bis zur durchtrennten Stelle, wo sie von der Schleimhaut des Eileiters aufgenommen (resorbiert) wird und sich auflöst.

Dadurch, dass die weiblichen Hormone nicht durch den Eileiter wandern, sondern vom Eierstock direkt ins Blut abgegeben werden, verändert sich der Hormonhaushalt nach der Sterilisation nicht; Monatsblutung, Körpergewicht und sexuelle Erlebnis- und Orgasmusfähigkeit bleiben in der Regel so, wie sie vorher waren.

Nebenwirkungen. Neben dem allgemeinen Operations- und Narkoserisiko können operationsbedingte Komplikationen wie innere Verletzungen, Blutungen und Infektionen in der Bauchhöhle vorkommen; Unterleibsschmerzen deuten möglicherweise auf Verwachsungen in der Bauchhöhle hin. Zudem steigt nach einer Sterilisation das Risiko einer Eileiterschwangerschaft.

In seltenen Fällen treten Zyklusstörungen oder vorzeitige Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen auf, für die Durchblutungsstörungen im Eierstock als Ursache vermutet werden.

Es gibt aber auch Veränderungen, die nicht auf die Operation selbst zurückgehen, sondern z. B. auf das Absetzen der „Pille" nach der Sterilisation oder die seelische Verarbeitung des Eingriffs.

Sicherheit. Die Sterilisation der Frau ist mit einem Pearl-Index von ~ 0,3 sehr sicher, wobei die früher beliebte Clip-Sterilisation das unsicherste der verschiedenen Verfahren ist.

Seit 2004 werden Sterilisationen nur noch von der Kasse bezahlt, wenn sie medizinisch notwendig sind.

Hysteroskopische Sterilisation. Neue Verfahren zur Sterilisation sind die Essure®- und die Ovabloc®-Methode. In beiden Fällen erfolgt die Sterilisation ohne Vollnarkose im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie). Beim Essure®-Verfahren wird über Scheide und Gebärmutter eine Mikrospirale aus Polyester, Nickel-Titan und Edelstahl in die Eileiter eingesetzt. Innerhalb von drei Monaten beginnt das Körpergewebe in die Spirale (ein)zuwachsen und blockiert so die Eileiter. Während dieses Zeitraums ist die Frau noch fruchtbar und muss noch anderweitig verhüten. Beim Ovabloc®-Verfahren werden die Eileiter mit einem weichen Stift verschlossen. Über das Versagensrisiko liegen noch keine gesicherten Aussagen vor.

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Refertilisation 

Von: Dr. med. Andrea Stadler, Dr. med. Arne Schäffler

Eltern sollten schon früh möglichst viel und aufmerksam mit ihren Kindern kommunizieren.

Sprache bei Babys und Kleinkindern

Zuwendung der Eltern fördert Sprechen

Die sprachliche Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern verläuft rasant. Wichtige Grundlage dafür ist die direkte Kommunikation und Zuwendung der Eltern.

Sprache beginnt für Babys schon vor der ersten Lautäußerung – denn die Stimme der Mutter wird bereits im Mutterleib wahrgenommen. Gerade nach der Geburt ist die Mutter die wichtigste Bezugsperson für den Säugling, auch was Kommunikation angeht. Laut Kinder- und Jugendarzt Dr. Ulrich Fegeler profitieren sie insbesondere von der direkten Ansprache durch Mutter und Vater: „Eltern wählen automatisch einfache Worte, betonen die Vokale übertrieben, machen längere Pausen, benutzen einen höheren Tonfall, wiederholen das Gesagte mehrmals und kommentieren es mimisch oder durch Gesten, um die Aufmerksamkeit des Kindes zu wecken und die Bedeutung des Gesagten/Wortes verstehbar zu machen.“

Kinder lernen auch durch Gestik der Eltern

Sprache aus dem Radio oder Fernsehgerät könne den zugewandten Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt nicht ersetzen, betont der Mediziner. Stattdessen müsse individuell auf die Lautäußerungen und anderen Bedürfnisse des Kindes eingegangen werden. Ab etwa einem halben Jahr unterstützen vor allem Gesten die sich nun beschleunigende Sprachentwicklung. „Indem Eltern auf etwas zeigen und dann die Bezeichnung dafür sagen, helfen sie den Wortschatz ihres Kindes zu erweitern“, erklärt Fegeler. Unterstützend dabei wirken Bilderbücher, die mit zunehmendem Alter komplexer werden. Von zwei bis drei Jahren können Eltern ihre Kinder dann bereits einfache Fragen zu den Bildergeschichten beantworten lassen.

Fragen und Erklären wird mit zunehmendem Kinderalter wichtiger

Für Kinder ab drei Jahren eignen sich die sogenannten „Wimmel“-Bilderbücher und kurze Gute-Nacht-Geschichten – diese können Eltern ihre Kinder durch einfache Fragestellungen nacherzählen lassen. In diesem Alter beginnt zudem die „Fragephase“ des Kindes. Eltern sollten auf das Nachfragen möglichst klare Erklärungen geben und den Nachwuchs dazu anregen, bereits erworbenes Wissen zu aktivieren. Fegeler fasst zusammen: „Grundsätzlich gilt: Wenn man mit den Kindern viel spricht, also viel Sprache hineinsteckt, kommt irgendwann auch viel Sprache vom Kind zurück. Kommunikation und Zuwendung ist die beste Sprachförderung.“

Quelle: Kinderärzte im Netz

05.05.2017 | Von: Leonard Olberts; Bild: FamVeld/Shutterstock